Unsere Pferde brauchen gutes Heu wie das tägliche Brot.
Als Pflanzenfresser kann das Pferd die verdaubaren, zellulosereichen Anteile durch die Darmbakterien im Dickdarm und Blinddarm mikrobiell aufschließen. Das Pferd ist in seiner natürlichen Umgebung mit der Futteraufnahme bis zu 14 Stunden beschäftigt und die Zähne werden durch tausende (20.000 bis 40.000) mahlende Kaubewegungen pro Tag in bester Kondition gehalten. Um ein Kilogramm Heu zu fressen, braucht ein Pferd ca. 40 Minuten. Nur während des Kauens produziert die Ohrspeicheldrüse ca. 3-5 Liter Speichel/100 kg Körpergewicht.
Der Pferdespeichel enthält Bikarbonat, das die Magensäure abpuffert.
Beim Pferd werden kontinuierlich während 24 Stunden 5-10 Liter Magensaft/100 kg Körpergewicht gebildet. Das sind bei einem Pferd mit 600 kg zwischen 30 und 60 Liter am Tag. Der Magensaft enthält große Mengen an Salzsäure, die richtig ätzend wirkt, wenn sie nicht durch die Lauge (Bikarbonat) aus dem Speichel abgepuffert wird.
Viel Kauen bedeutet viel Speichel und damit eine gute Pufferung des sauren Magensaftes. Umgekehrt wird bei viel Krippenfutter wenig Speichel gebildet und damit ist die Säureeinwirkung auf die Magenschleimhaut erhöht. Magengeschwüre sind die Folge. Das heißt, Vor der Krippenfuttergabe möglichst Heu füttern, um eine ausreichende Speichelmenge und zudem Lockerheit des Mageninhaltes und damit Aufsaugen der Magensäure sicherzustellen. Fresspausen von mehr als 4 Stunden sind zu vermeiden, auch nachts. Eine gute Möglichkeit, den Pferden rund um die Uhr Heu zur Verfügung zu stellen, ist das Anbringen von engmaschigen Heunetzen oder Heusäcken.
Am Wissenschaftszentrum Weihenstephan wurde untersucht, ob die Fresszeit von Pferden durch die Verabreichung von Heu in einem Netz mit engeren Maschen (4 x 4 cm) verlängerbar ist. In die Studie waren
24 Großpferde im Alter von fünf bis zwölf Jahren einbezogen. Jedes Pferd erhielt Heulose am Boden und Heu im Netz mit je vier Wiederholungen an voneinander unabhängigen Tagen. Das Netz war gemäß den Leitlinien in der Pferdehaltung 30 bis 50 cm über dem Boden aufgehängt. Durch die Vorlage von Heu im Netz wurde die Fresszeit im Vergleich zur Bodenfütterung mit 86 Minuten mehr als verdoppelt.
In der Regel sollte die tägliche Heugabe bei einem Pferd etwa 1,5 bis 2% seines Körpergewichts betragen; das sind bei einem 500 kg Pferd etwa 7,5 bis 10 kg Heu. Es empfiehlt sich, diese Heumenge einmal zu wiegen man wird überrascht sein, welche Menge das ist.
Im Dickdarm findet nur noch eine mikrobielle Umsetzung der Nahrung statt. Die Darmbakterien verfügen über Enzyme um die Fasern aus dem Heu (Cellulose, Hemicellulose) aufzuspalten und zur Energiegewinnung zu nutzen. Dabei kann das Pferd bis zu 80 % seiner Energie über den Abbau von Heu zu flüchtigen Fettsäuren decken (Vermorel et al. 1997a).
Die Energie, die Sie dem Pferd mittels Heu zuführen, brauchen Sie nicht durch Krippenfutter ergänzen.
Im Dick- und Blinddarm sorgt das Heu außerdem für einen stabilen pH-Wert und damit für ein optimales Wachstum der Darmbakterien im Vergleich zu Rübenschnitzel und Kraftfutter. Zudem hat die Pflanzenfasern eine puffernde Wirkung.
Je länger der Stängel einer Pflanze ist, umso mehr Gerüststoff ist nötig, um den Stängel aufrecht zu halten. Als Gerüststoff dient die Holzrohfaser Lignin. Allerdings können die Darmbakterien den Holzrohstoff (Lignin) nicht fermentieren. Lignin kann nur von Pilzen aufgeschlossen werden, die dafür Sauerstoff benötigen. Sauerstoff steht allerdings im Darm nicht zur Verfügung. Dies erklärt, warum Pferde Stroh und verholztes Heu mit einem hohen Ligninanteil nicht verdauen können. Schlimmstenfalls kann es Verstopfungskoliken kommen.
In letzter Zeit haben sich viele Pferdewirte damit begnügt, über das Heu nur die Rohfaser in das Pferd zu bringen, ohne auf die anderen wertvollen Inhaltsstoffe zu achten. Mit zunehmender Vegetation nimmt der Energiegehalt und Rohproteingehalt im Gras ab und der Fasergehalt nimmt zu. Idealerweise sollte das Gras dann gemäht werden, wenn sich die Linien des abnehmenden Energiegehaltes und der zunehmenden Rohfaser treffen.
Ein guter Indikator für den richtigen Zeitpunkt ist die Beurteilung des Knaulgrases; ein wichtiges und wertvolles Süßgras für unsere Pferde. Dieses ist das Leitgras auf den Pferdewiesen, um das Vegetationsstadium und die Reife bzw. Futterqualität beurteilen zu können. Der ideale Zeitpunkt um Pferdeheu zu ernten ist, wenn das Knaulgras in der Blüte steht. Genau dann sollte der Landwirt bei schönem Wetter das abgetrocknete Gras mähen, um Heu zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hat das Futter auf der Wiese bereits 30% Rohfaser und für das Pferd noch ausreichend Energie und Eiweiß. Die Mahd soll bei abgetrockneten Beständen gegen Mittag erfolgen. Das Gras sollte mit einer Schnitthöhe von 5-7 cm gemäht werden um die Pflanzenbestände zu schonen und um eine Verschmutzung mit Erde (Rohasche) zu vermeiden.
Das Heu sollte bei einer Restfeuchte von 10-12 % eingelagert werden, damit keine stürmische Fermentation stattfindet. Wird zu feucht eingelagert, vermehren sich die Schimmel- und Hefepilze sowie die Bakterien. Bleibt aber das Futter noch stehen, nimmt die Rohfaser, insbesondere der Anteil des unverdaulichen Lignins zu und die wertvollen Inhaltsstoffe (Proteine, Energie, Mengen- und Spurenelemente, Vitamine) nehmen drastisch ab.
Wartet man mit der Heugewinung ungefähr drei bis vier Wochen nach der Blüte, so steigt auch der Pilz- und Bakteriengehalt bedenklich an. Erkennbar ist das unter anderem an der ausgeblichenen bis gebräunter Farbe. Zudem riecht das Heu fad bis schwach muffig bis leicht schimmelig. Wenn man das Heu aufschüttelt, staubt es regelrecht. Dieser zunehmende Bakterien- und Schimmelbefall stellt eine ernstzunehmende Belastung für die Atemwege der Pferde dar. Staubiges Heu sollte vor der Verfütterung angefeuchtet werden. Dazu gießt man es mit es mit der Gieskanne an, der man etwas Salz zugegeben hat. Dadurch kann man die Feuchtigkeit etwas binden und das Wasser verdunstet nicht so schnell. Heute setzen sich die Pferdewiesen zu 90% aus Süßgräsern überwiegend Obergräser zusammen, einige Kräuter und wenig Klee.
Eine gute Ergänzung bzw. Alternative stellt das Verfüttern von Heucobs oder Heupellets dar. Allerdings sollten die Heucobs ca. 20 Minuten eingeweicht werden um einer Schlund-verstopfung vorzubeugen (z.B. MÜHLDORFER Heucobs "staubfrei und medium").
Einsatz von Leinöl in der Pferdefütterung
Wenn man die Kohlenhydrate (Getreide) durch die gleiche Energiemenge an Leinöl ersetzt, werden der Blutzuckerspiegel und die Insulinantwort reduziert. In dieser Studie wurde die Menge an Kohlenhydraten gleich gelassen und lediglich mit Leinöl versetzt.
Die Kraftfuttergabe bestand aus 2,25 kg einer Getreidemischung (72% Hafer, 20% Mais und 8% Melasse). Bei der Fett/Öl-Gruppe wurden noch zusätzlich 200 ml Leinöl (z.B. Leinöl Pegus Plus) dem Kraftfutter beigemischt. Die Folge ist ein gleichmäßigerer und niedrigerer Anstieg des Blutzucker-Spiegels im Vergleich zu der reinen Kraftfutter-Gabe.
Die Glucose war in der Leinöl-Gruppe für 3 Stunden nach der Fütterung niedriger. Nach 6 und 10 Stunden war der Blutzucker höher. Diese Effekte sind unabhängig von der verabreichten Menge an Kohlenhydraten (Getreide) in der Ration. Das Öl führt zu einer langsameren Magenentleerung und damit zu einem harmonischeren Glucose-Spiegel im Blut. Dies ist insbesondere bei übergewichtigen Pferden und bei Pferden mit Equinem Metabolischen Syndrom (EMS) von Bedeutung.
Es lohnt sich, beste Qualität vorzulegen die Pferde bleiben so gesund und leistungsfähig und zahlreiche fütterungsbedingte Krankheiten lassen sich so vermeiden. |